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Storytelling mit Twitter Grundzüge

Wie verändert Twitter das Storytelling? Wie gut lassen sich Geschichten auf Twitter erzählen? Die absolute Verdichtung auf 140 Zeichen, der mögliche Echtzeitcharakter, der sich über kein anderes Medium so unmittelbar ergibt wie über Twitter und die Geschwindigkeit einer TImeline bringen es mit sich, dass die Form entweder nicht zu komplex werden darf (damit man auch wenn man einzelne Tweets verpasst der Geschichte noch folgen kann) oder aber ein Sammelbecken braucht, in dem die Geschichte gesammelt wird – sei es ein Blog oder eine Storify-Sammlung beispielsweise. Die Vorteile von Twitter gegenüber Facebook oder Google+ sind die Möglichkeit, fiktive Charaktere zu kreieren (bei FB und Google+ ist man zu Klarnamen verpflichtet ) und die Möglichkeit, Dialoge zu schreiben. Der Nachteil: die einzelnen Tweets rutschen noch schneller durch und verschwinden. Die Kunst besteht also darin, eine Geschichte zu erzählen, die die Wesensmerkmale des Mediums Twitter respektiert.

Es gibt drei Möglichkeiten des Erzählens auf Twitter:

1. Tweet = Geschichte in 140 Zeichen. Jeder Tweet ist eine Geschichte – es ist kein Problem, wenn man als Follower einen Tweet verpasst.

2. Tweet = Teil der Geschichte einer Persönlichkeit, eines Charakters. Der Twitter-Account erzählt einen Charakter – es ist unproblematisch ein paar Tweets zu versäumen, das Gesamtbild ergibt sich trotzdem wie beim Taubenvergrämer oder Jack the T.  Theatralere Variante, lädt zur Interaktion ein und dazu, über das Medium Twitter hinauszugehen.

Wie das erfolgreich umgesetzt wird, dazu sollte man sich den ersten Post aus dieser Reihe nochmals durchlesen – anhand der @tiny_tales von Florian Meimberg und des Taubenvergrämers aka @vergraemer Jan-Uwe Fitz.

3.1 Viele Tweets = eine Geschichte, dominant erzählt (ohne Interaktion oder Kollaboration)

Eine lineare Geschichte wird auf einen oder mehrere Twitteraccounts aufgespalten und chronologisch aber nicht interaktiv erzählt. Bei den meisten Erzählungen schwierig, da ein Wesenskern des Mediums sowie ein Bedürfnis der Erzählweise sich diametral entgegenstehen: Echtzeit vs. linearem Ablauf. D.h., ich kann den Verlauf der Geschichte via Hashtags oder Storify rekapitulieren, den Moment aber nicht. Wie bei #twitterfiction erprobt, eignen sich feste “Sendezeiten” bzw. Events dafür. Twitter wird dann zur Theaterbühne oder zum TV-Serienereignis vor den Zeiten des Streamings: man verabredet sich vor dem Bildschirm, verfolgt den Account und tauscht sich parallel mit anderen darüber via Hashtag aus. Beispiele: Steven Soderberghs @bitchuation, Jay Bushmans The Good Captain oder Jennifer Egans Black Box (auf @spiegel_rezens bis zum 16.8. täglich von 20 bis 21 Uhr getwittert)

3.2 Viele Tweets = viele Geschichten möglich, da viele Erzähler

Passender für Twitter scheint daher eine offenere Erzählweise zu sein, die durch die Kreation eines Charakters funktionieren kann (siehe oben), oder aber durch Interaktion und Zusammenarbeit mit den Followern. Die Geschichte entsteht dann erst komplett über den Einbezug aller typischen Twitterelemente: Hashtag, Bilder, getwitterte Links, Ortsangaben, Vine-Videos, Replies, Retweets und eventuell auch das Zusammenspiel mehrerer von einem Autor gesteuerter Accounts. Ob Linearität auch hier nötig ist? Das Prinzip scheint eher Parallelität zu sein: wenn es mehrere Charaktere gibt bzw. wenn eine Auswahl getroffen wird aus mehreren Vorschlägen, sind Verzweigungen möglich. Beispiele hierfür sind Neil Gaimans Experiment mit BBCaudiobooks America und auch die #neilstory für den Guardian. Interaktiv und kollaborativ ging der Guardian 2012 auch an die #halloweenstory an. Der Guardian-Account kuratierte die Geschichte aus den Vorschlägen seiner Leser.

Werbemaßnahme für Bücher?

Viele der vorgestellten Beispiele stammen von Autoren, die ausprobierten, wie das Geschichtenerzählen mit Twitter funktioniert. Bei einigen gab es bestimmt Werbeeffekte für die aktuelle Veröffentlichung, so z.B. für Jennifer Egans Black Box, die im Anschluss gut lesbar im New Yorker erschien. Eine andere Variante nutzt Matthias Matting, der einen Charakter aus seinem Buch twittern lässt. Allerdings nicht regelmäßig genug, um schon eine große Followerschaft zu haben. Schließlich gibt es da noch Tweets from History, einen Account, der Zitate historischer Persönlichkeiten in Tweets packt und damit indirekt Werbung für sein Buch versucht. Am eindrücklichsten funktionierte hier bestimmt die Geschichte der Titanic, die ein Verlag vorantrieb.

Wem Twitter noch vollkommen fremd ist, der findet auf Mashable übrigens eine Zusammenstellung der wichtigsten Begriffe.

 

 

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