In der Welt der Agenturen, aber auch in der Kunst, dem Theater oder der Literatur habe ich immer wieder die Phrase: „du musst für etwas brennen“ gehört. Das sei selbstverständlich, wenn man seinen Beruf liebe. Was heißt Beruf: es sei doch auch mehr eine Berufung, Kunst (= Bücher = Theater = bei dieser Agentur …) machen zu dürfen. Dazu wurde dann der Schal nach hinten geworfen, die Augen aufgeschlagen und in den affektiertesten Fällen auch noch die Hand auf die Brust gelegt: dafür leide man doch auch mal ganz gerne, das müsse man einfach in Kauf nehmen für diese höhere Daseinsform. Klischeehäufung? Mag sein, habe ich aber oft genug so erlebt.

Am Anfang schien mir die Sache mit dem Brennen noch logisch: mit großen, funkelnden Augen saß ich im Zuschauerraum und half den Regisseuren dabei, ihre Inszenierungen zu stemmen. „Ich bin ein Nachtarbeiter“, „meine inspirierteste Zeit ist abends“ – und schon schlug man sich die Nächte um die Ohren. War ja auch lustig und im Magisterstudiengang ehrlichgesagt auch zu verschmerzen. Dann inszenierte ich irgendwann selbst und verlangte schon nicht mehr so gerne, dass die Leute für wenig/gar kein Geld bis Mitternacht mit mir im Probenraum saßen. Ich war doch auch freiwillig geblieben…? (Und da ging das Problem dann los: Selbstausbeuter erwarten dasselbe Verhalten meist auch von anderen)

Schließlich hörte ich auf mit der Theaterarbeit, als mir das normale Geschäft: vormittags Proben, nachmittags Text lernen für Schauspieler, Konzipieren was auch immer arbeiten für die anderen, abends Aufführung/Abendspielleitung zu blöd wurde. Die Leute, die Theater machten, hatten neben der Bühne wenig Zeit zum Leben – und darum ging es doch aber eigentlich irgendwann mal beim Theatermachen. Oder?

Nun gut, vermutlich brannte ich einfach nicht genug fürs Theater.

Dann kam die Agentur. Und wieder hieß es gegenüber uns Volontären und Nachwuchskonzeptionern:

„Ihr müsst brennen!“ Das taten wir dann auch bald und das lichterloh. Es hieß zwar:  ihr müsst auf euch selbst aufpassen und eure Grenzen nennen. Ihr könnt gehen, wenn ihr wollt, ihr müsst nicht bis abends um zehn bleiben, das ist eure eigene Verantwortung. Wie schlecht so etwas funktioniert merkt man daran, dass Unternehmen wie VW mittlerweile verhindern, dass berufliche Emails ab 18 Uhr bzw. am Wochenende auf die Handys ihrer Mitarbeiter weitergeleitet werden…

Jetzt bin ich Freiberuflerin bzw. Unternehmerin und ich brenne ab und an immer noch, wenn alle Projekte in derselben Woche fertig werden sollen zum Beispiel, normal ist das aber nicht mehr. Zum Glück. Dafür liebe ich, was ich tue und bin mit Hingabe und Begeisterung bei der Arbeit. Das ist nicht nur gesünder, das hält auch länger an.

P.S.: Brennen bedeutet laut Duden u.a. in Flammen stehen, als Heizmaterial verwenden (siehe Agenturbetrieb), rösten, schmerzen,…

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